Sollte Selbstverteidigung an unseren Schulen gelehrt werden?

Selbstverteidigung ist ein Schlagwort unserer heutigen Zeit. Medien berichten zunehmend oft von Überfällen und Gewaltattacken auf unseren Straßen, oftmals sogar in Städten die bis jetzt als sicher betrachtet wurden. Unklare Motive und Überfälle am helllichten Tag verstärken sogar dieses Gefühl der Unsicherheit. Immer mehr Frauen und Männer melden sich deshalb bei Selbstverteidigungskursen an, die versprechen Menschen auf physische Gewalt vorzubereiten, damit man sich notfalls verteidigen kann. Wäre es sinnvoll, unseren Kindern Selbstverteidigung auch in der Schule beizubringen? Schließlich sind sie oft nicht nur körperlich Erwachsenen unterlegen, sondern auch die kommende Generation.

Vorbereitet für den Notfall

Ein Pluspunkt ist natürlich, dass Kinder bei einer Selbstverteidigungsausbildung wirklich vorbereitet sind, und im Ernstfall wissen, wie gehandelt werden kann. Beispielsweise kann eine Frau bestimmte, empfindliche Stellen eines Manns treffen, um einer Gefahrensituation unbeschadet zu entfliehen. Gleichzeitig wird auch beigebracht, wie man wenn möglich mit einem potentiellen Gewalttäter sprechen kann, um den Gewaltausbruch noch in letzter Minute abwenden zu können. Sowohl Frauen als auch Männer wären damit selbständiger, unabhängiger und im Ernstfall besser gewappnet.

Gefährliche Techniken

Wie sieht es aber mit den schwarzen Schafen unter den Kindern aus, die nicht nur auf Selbstverteidigungsmaßnahmen mit neu erlernten Kampftechniken aus sind? Problematisch wäre es beispielsweise, wenn bei Schlägereien unter Jugendlichen Techniken zur Anwendung kommen, die eigentlich für die Selbstverteidigung gegenüber einem physisch überlegenem Gegner gedacht sind. Ein Schlag gegen den Solar Plexus, einem empfindlichen Punkt unter der Brust, kann zum Beispiel einer Frau verhelfen, einen Vergewaltiger für einige Sekunden außer Kraft zu setzen. Bei entsprechender Härter kann ein derartiger Schlag auch einen langen Krankenhausaufenthalt mit sich ziehen.

Bei einer großen Schule ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass einige der Schüler ihre erlernten Fähigkeiten auch in Schlägereien zur Anwendung bringen. Allerdings stellt sich auch die Frage, ob sie das nicht auch ohne spezielle Kurse bringen würden. Schließlich gibt es genügend Videos im Internet, die ähnliche Tricks zeigen, gleichzeitig wissen gewalttätige Schüler selbst oft schon Methoden, die Schwachpunkte des Körpers nutzen

Für ein besseres Selbstbewusstsein

Ein Teil der Schüler würde von dem Fach mit Sicherheit profitieren. Viele junge Menschen im Alter von 12 bis 15 sind sehr introvertiert und haben kaum Selbstbewusstsein, geschweige denn ein gutes Selbstwertbild. Selbstverteidigung hilft ein besseres Image von sich selbst zu erlangen und kann Vertrauen in die eigene Person stärken. Personen die von Mobbing betroffen wären, würden durch das Verteidigungstraining mehr Glauben erlangen können.

Angesichts der Lage erwägenswert

Mit Sicherheit ist die derzeitige Lage auf den Straßen in Österreich, Deutschland und der Schweiz nicht besser, als in den Jahrzehnten davor waren. Deshalb lässt es sich in Erwägung ziehen, einen Selbstverteidigungskurs als Unterrichtsfach oder zumindest optionales oder sogar freiwilliges Unterrichtsfach an den Schulen bereitzustellen. Nicht nur, dass es psychische und physische Vorteile hat, das Training zu absolvieren – es kann im Ernstfall entscheidend sein. Gibt es auch nur einige wenige Vorfälle, in denen Gewalttäter gestoppt, oder Verbrechen verhindert werden können, weil man durch einen Selbstverteidigungskurs gewappnet war, halte ich es für sinnvoll. Unsere Gesundheit und die Gesundheit unserer Kinder könnten dadurch besser geschützt sein.